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Hermann Burger

Diabelli

«Habe illudiert und illudiert und dabei mein Selbst verjuxt […].»

Hermann Burgers Erzählung Diabelli (erschienen 1979 im gleichnamigen Erzählband bei S. Fischer) zeigt den Autor auf der Höhe seiner Sprachvirtuosität. Ein Virtuose ist auch der Protagonist und Zauberer Diabelli, der sich hier zu Wort meldet. Er selbst bezeichnet sich als «Prestidigitateur», als Schnellfingerkünstler, der durch die Behändigkeit seiner Tricks das Publikum zu täuschen vermag. Zugleich beherrscht er gekonnt die Technik der «Tarnrede», um die Aufmerksamkeit der Zuschauer zusätzlich abzulenken – und auch diejenige der Leser, müsste man hinzufügen.

Denn wie so oft bei Burger ist die Erzählung aus der Ich-Perspektive des Protagonisten geschrieben und präsentiert sich hier als längerer Abschiedsbrief des desillusionierten Illusionisten Diabelli an seinen Mäzen Baron Harry Kesselring. In seinen bekenntnishaften Berichten gibt Diabelli zwar bereitwillig Auskunft über sämtliche Zaubertricks wie über die existentielle Tragik seiner Person, anstatt dabei aber an Kontur zu gewinnen, verschwindet der fintenreiche Erzähler vielmehr zusehends in seiner «Winkelparliererei». Zum Schluss löst sich alles in purer Rhetorik auf: «Nicht einmal ein Vakuum bleibt übrig, wenn unsereins verschwindet.» Diabelli löscht sich aus – in einem hoch elaborierten Akt sprachlicher Autodestruktion. Wer aber weiss, ob das nicht nur ein letzter, ultimativer Trick war: eine «Abschiedsvolte», wie es am Ende heisst. Burger beweist mit dieser ständig auf sich selbst reflektierenden Erzählung, dass er mit allen Wassern postmoderner Ästhetik gewaschen ist. Der Autor selbst setzte als gewiefter Selbstinszenator das Verwirrspiel ausserdem in der Lebenswelt fort, als er sich bei Erscheinen des Buchs in diversen Medien effektvoll in der Rolle eines Zauberkünstlers präsentierte.

(Magnus Wieland)

S. Fischer Verlag, Frankfurt / M. 1978

ISBN: 978-3-312-00593-2

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