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Urs Faes

Sommer in Brandenburg

«Was war das für eine Stimme, ein Lachen, nicht laut, aber eindringlich, übermütig verspielt, unbekannt, vor allem das: ein Mädchenlachen, das er nie zuvor gehört hatte, ein Klang, der ihm fremd war, kehlig, rauh.»

Sommer 1938: Lissy Harb und Ron Berend sind für einige Zeit in Brandenburg, auf dem jüdischen "Landwerk" Ahrensdorf bei Trebbin. Ron stammt aus Hamburg, Lissy aus Wien. Zusammen mit anderen jungen Menschen bereiten sie hier auf die Ausreise nach Palästina vor. Dort werden sie als Siedler im Kibbuz leben, und davor sollen sie das Notwendige erlernen, das ihnen das Überleben sichert. Sie nehmen Kurse in Landbau, im Gemüsebau, sie schreinern, sie erlernen Sprachen und werden unterwiesen in jüdischer Kultur und Religion. In seinem sorgfältig recherchierten Roman widmet sich Urs Faes einem wenig bekannten Aspekt der jüdischen Geschichte. Der Roman nimmt seinen Ausgang von einer Fotografie, die vom Liebespaar erhalten ist, und imaginiert, von soliden Fakten untermauert, wie unter prekären Bedingungen junge Menschen in einem sogenannten Hachschara-Zentrum zusammenkommen und zusammenleben. In einer Zeit voller Unruhe, voller Ängste und Hoffnungen. Die jüdischen Auswanderer leben längst im "Feindesland", in der Nähe hat die Hitlerjugend ein Quartier, nicht weit entfernt ist auch ein Flugplatz. Gross ist die Sorge, wer überhaupt noch rechtzeitig aus Deutschland ausreisen kann und von den britischen Behörden die Erlaubnis erhält, in Palästina einzureisen, in das britische Mandatsgebiet. Eingewoben in die Schilderung dieses Sommers ist die Liebesgeschichte von Lissy und Ron, die sich in Ahrensdorf kennen gelernt haben, sich verlieben und einander auch bald wieder verlieren werden. Gemeinsam wollten sie ein Leben in Palästina wagen, nun setzt ihnen dieser Roman ein berührendes Denkmal.

(Martin Zingg)

Zur Übersetzung empfohlen von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia: www.12swissbooks.ch

Suhrkamp, Berlin 2012

ISBN: 978-3-518-42419-3

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