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Pascale Kramer

Gloria

« À quoi se mesurait finalement la normalité des vies? »

Als Michel einen Telefonanruf von Gloria bekommt, die ihn zu sich einlädt, weiss er: er sollte nicht zusagen, er sollte nicht hingehen. Gloria gehört zu seiner Vergangenheit, er hat sich vor Jahren um sie gekümmert. Er kennt sie aus jener Zeit, als er noch verheiratet war und in einer Beratungsstelle arbeitete, die sie gelegentlich aufsuchte, als sie sich noch auf der Strasse herumtrieb. Und Michel ist inzwischen von der Beratungsstelle entlassen worden. Erst hiess es, er habe zuviel Empathie. Und dann wurde ihm vorgeworfen, er habe sich Kindern gegenüber auf eine Weise verhalten, die nicht angemessen sei.
Aber trotzdem begibt sich Michel zu Gloria, die zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter lebt. Gloria ist immer noch die kindische Frau, starrsinnig, geistig etwas träge, die Michel vor Jahren gekannt hatte. Aber inzwischen ist sie auch reifer geworden. Will sie sich bei ihm für die Unterstützung danken, die sie damals von ihm erhalten hat?
Ihr Verhalten gegenüber ihrer Tochter Naïs beginnt Michel schon bald zu beunruhigen. Er hat Gloria seinerzeit dazu geraten, das Kind zu behalten; ihre Adoptiveltern hätten eine Abtreibung vorgezogen. Und nun fallen die beiden innert wenigen Monaten in die alten Muster zurück, die ihre komplizierte Beziehung geprägt hatten: Wer hilft wem? Wer ist wirklich auf den andern angewiesen? Wer hat die bessere Rolle?
Wie immer in den Werken von Pascale Kramer, stehen auch hier die Kinder im Zentrum. Sie sind es, die vieles erst sichtbar machen. Die Sprünge, die kleinen Risse im Leben. In «Gloria» erzählt Pascale Kramer von den Ambivalenzen, welche die menschlichen Beziehungen prägen.
(Martin Zingg)
 
Zur Übersetzung empfohlen von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung: www.12swissbooks.ch

Flammarion, Paris 2012

ISBN: 978-2-08-129510-0

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