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Walter Vogt

Schizogorsk

«Wenn ich es mir genau überlege, bin ich im Augenblick entweder ein Mörder oder ein Leichnam auf Urlaub, oder ich leide an Verfolgungswahn.»

Um das Schweizer Dorf Zweilichtigen alias Schizogorsk geschehen dubiose Dinge. Das Dorf lehnt sich gegen die Pläne von Banken, Atomlobby und Militär auf. Um den unbotmässigen Widerstand zu brechen, planen einige Offiziere eine geheime Kommandoaktion. In diesem Spannungsfeld siedelt Walter Vogt (1927-1988) seine boshafte Parodie «Schizogorsk» an. Das turbulente Geschehen läuft bei einem Ich-Erzähler zusammen, dessen psychiatrische Praxis mysteriöse Gestalten geradezu anzieht. Während er die Patienten reden, um selbst zu schweigen, verstrickt er sich immer mehr in eigene Hirngespinste. Ohne es eigentlich zu wollen, wird er hineingezogen in Morde und Machenschaften, die den helvetischen Geist in seiner wahren, wehrhaften Grösse zeigen.
Dem sarkastischen Erzähler kommen diese Vorgänge allerdings nicht ungelegen für seine Arbeit an einer «Theologie des Bösen». Darin will er weder analysieren noch ausschmücken, sondern sich ganz aufs reine Registrieren konzentrieren. Er notiert, was er erkennt, mit verblüffender, ja geradezu besessener Schärfe, Akribie und Gereiztheit. Diese Haltung zeichnet den Erzähler auch persönlich aus. Wegen Arbeitsunfähigkeit selbst in Therapie, versteht er fühlt er sich Kampf gegen seine Therapeutin, der er keinen Erfolg gönnen will. Was wahr ist, bleibt so offen, aber ein wahres Wort sei ein schönes Wort, heisst es einmal. Das genügt.

Beat Mazenauer

Auch in: Melancholie. Werke 2. hg. von Doris Halter. Nagel & Kimche, Zürich / Frauenfeld 1991.

Arche Verlag, Zürich 1976

ISBN: 978-3-312-00163-7

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