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Zeit und Ewigkeit

«Ein tiefer Schlaf führte ihn zu uralten Wünschen.»

Guido Bachmann (1940-2003) ist einer der Störenfriede der Schweizer Literatur. Ein Rebell, der keinen Hehl aus der Tatsache machte, dass er wegen Depressionen und Alkoholsucht verschiedentlich in psychiatrischer Behandlung war. Umso mehr verausgabte er sich literarisch, allem voran in seiner Romantrilogie «Zeit und Ewigkeit» (1966-1982). Leben und Werk kommen darin in Einklang. Das Erscheinen von «Gilgamesch» sorgte 1966 für einen veritablen Skandal. Der Roman lässt aufs Erregendste erahnen, was der damalige «Literaturpapst» Emil Staiger unter dem aburteilenden Begriff der «Kloakenliteratur» verstanden haben könnte.
Speziell die unzimperliche Schilderung der Homosexualität war für den erklärten Aussenseiter Bachmann nicht nur Bekenntnis. Sie diente ihm als Instrument, um eine Differenz zur bürgerlichen Spiessigkeit (auch des eigenen Elternhauses) zu schaffen. Schon die Überschriften der drei Teile «Gilgamesch» (1966), «Die Parabel» (1978) und «Echnaton» (1982) signalisieren das weltumspannende mythische Bezugsfeld, in dem elementare Themen wie Liebe, Freundschaft, Leben und Tod verhandelt werden in einer sich ungebärdig, kraftvoll verschlingenden Sprache, die nicht zuletzt auch musikalischen Prinzipien gehorcht. Mit seinem grandiosen, unzüchtigen Theatrum mundi trachtete er «der Welt durch Verwandlung des Mythos eine Gegenwelt vorzuhalten und den Leser in Höllen zu führen». Auf diese Weise wollte er Zeit und Ewigkeit in Ehren und Erinnerung halten.

(Beat Mazenauer)

(Von den drei Teilen ist «Gilgamesch» als Taschenbuch erhältlich)  

Übersetzung des Titels: Gilgamesch / Parabel / Echnaton

Lenos Verlag, Basel 1988

ISBN: 978-3-85787-107-8

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