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Max Frisch

Biografie. Ein Spiel

«Was die Wirklichkeit nicht gestattet, das gestattet das Theater: zu ändern, noch einmal anzufangen, zu probieren, eine andere Biografie zu probieren... »

Das Leben als ein sich wiederholendes Spiel von möglichen Entwürfen – so könnte man dieses Theaterstück von Max Frisch bezeichnen, das 1968 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde. Konsequenterweise hat Frisch das Stück in einer überarbeiteten Fassung 1984 noch einmal veröffentlicht. Welche Entscheidungen würden wir anders treffen und was würde sich ändern, wären wir erneut vor der Wahl gestellt? Der todkranke Verhaltensforscher Kürmann wünscht sich nichts sehnlicher als «eine Biografie ohne Antoinette». Das Stück beginnt also damit, dass ihm ein «Registrator» bzw. «Spielleiter» die Möglichkeit eröffnet, seinen Lebensverlauf umzugestalten, sich in prägnanten Situationen seiner Vergangenheit anders zu verhalten.
So spielen Kürmann und Antoinette den Abend ihrer ersten Begegnung in verschiedenen Varianten nach. In jeder läuft es allerdings auf das gleiche Ende hinaus, indem sie schliesslich doch wieder bei ihm übernachten wird. Kurmanns Korrekturversuch misslingt immer wieder; selbst als er einmal Antoinette erschiesst, wird er diese Fassung später aus Reue revidieren. Entgegen Frischs «Dramaturgie des Zufalls» gelingt es Kurmann in einigen Szenen also bloss, seine Einstellung gegenüber den Handlungen und Konsequenzen zu verändern.
Das Leben als Entwurf, die existenziellen Fragen nach Identität, Zufall und Schicksal – hier werden die zentralen Themen von Max Frisch auf der Bühne verhandelt. Doch das komödiantisch insinuierte Spiel mit der Kontingenz gerät zur Tragödie der immergleichen Wiederholung: «Möchten Sie noch einmal anfangen?»

(Marc Caduff)

Suhrkamp, Frankfurt / M. 1966

ISBN: 978-3-518-01225-3

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