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Eugen Gomringer

vom vers zur konstellation

«mit der konstellation wird etwas in die welt gesetzt. sie ist eine realität an sich und kein gedicht über…»

Abstrakte Gedichte lassen sich auf vielfältigste Art und Weise realisieren. Darin liegt allerdings auch das Dilemma: wie nur sind sie plausibel zu verstehen? Darauf hat Eugen Gomringer schon reagiert, als er erste konkrete Gedichte zu konzipieren begann. Sein Manifest «vom vers zur konstellation. zweck und form einer neuen dichtung» erschien 1954 in der «Neuen Zürcher Zeitung» (spätere Druckfassungen wurden überarbeitet). Darin führt er die Konkrete Poesie auf zeitgemässe Erfordernisse von technisch-naturwissenschaftlichem Fortschritt und moderner Gegenwartsgesellschaft zurück. Der heutige Mensch wolle rasch kommunizieren. Schlagwort und Schlagzeile prägten bis ins Visuelle seinen Alltag. Und eine solche Prägnanz und Einprägsamkeit erfordere ähnlich wie bei der Konkreten Kunst einen visuell und grafisch neuen Ausdruck.

Die konsequente Kleinschrift, Typographie und sparsamer Worteinsatz seien dafür in der Lyrik viel geeigneter als der freie Vers. «das neue gedicht ist deshalb als ganzes und in den teilen einfach und überschaubar, es wird zum seh- und gebrauchsgegenstand: denkgegenstand – denkspiel. es beschäftigt durch seine kürze und knappheit. es ist memorierbar und als bild einprägsam.» Entsprechend lässt es sich am ehesten mit dem Begriff «constellation» des französischen Dichters Mallarmé (1842–1898) realisieren. Die Konstellation erlaube als gestaltete Wort-Ordnung wie spielerisches Kräftefeld unzählige sprachliche Kombinationen und Variationen.

(Severin Perrig)

NZZ, Zürich 1953

ISBN: 3-901190-19-8

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