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Sennentuntschi

«Sei schön brav, gell, sei ganz lieb. Mein Fotzchen hört das nicht gern, was du da sagst, gell, Fotzchen. So, jetzt darfst du Wein trinken.»

Die Sage vom «Sennentuntschi» geistert durch den ganzen Alpenraum. Sie diente Hansjörg Schneider 1970 als Vorlage für ein Schauspiel. Gelangweilt und vom Wein umnebelt basteln sich drei Sennen aus Stoff und umherliegenden Dingen einen weiblichen Homunkulus, der auf einmal zu sprechen beginnt. Im Spass nennen sie das «Weib» Maria. Sie lassen sie Worte nachplappern, geben ihr auf Wunsch Wein zu trinken, entkleiden sie und finden das Loch zwischen ihren Beinen. Vögeln kann sie, entdecken die Drei mit Lust. Kann sie und will sie. Bald aber beschleicht die Sennen ein mulmiges Gefühl ob der selbst geschaffenen Kreatur, die immer forscher zu reden beginnt. Und was sollen sie tun, wenn der Alpsommer vorüber ist? Schliesslich bleibt der eine von ihnen beim Sennentunschti zurück und nimmt ein schreckliches Ende.

Hansjörg Schneiders Adaption der Sage zeichnet sich – in der hochdeutschen wie der Dialektfassung – durch ihre unverblümte Sprache aus. Die derart erotisch aufgeladene urige Alpenszenerie sollte heftigen Protest hervorrufen. War schon die Premiere 1972 im Schauspielhaus nicht unumstritten, erregten sich die Gemüter erst recht, als «Sennentuntschi» 1981 als Fernsehspiel ausgestrahlt wurde. Ein Sturm der Entrüstung ging durchs Land. Es wurde Klage wegen Pornografie eingereicht und der Adresse erhielt übelste Pakete zugeschickt.

(Beat Mazenauer)

Gustav Kiepenheuer, Berlin 1969

ISBN: 3-250-01045-6

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