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Sylvie Neeman Romascano

Nichts ist geschehen

Dora fährt mit dem Zug in den Süden, weil ihr Vater im Sterben liegt. Im Speisewagen setzt sich ihr ein netter Mann gegenüber, der sie spontan in ein Gespräch verwickelt. Schliesslich steigt Dora mit ihm auf halber Strecke aus – und trifft einen Tag verspätet am Ziel ein. Vater ist bereits begraben, der Bruder wieder verschwunden, der Hausstand beinah schon aufgelöst. Auf der Rückfahrt versucht Dora einzuordnen, was geschehen ist, geschehen sein könnte, gar nie geschah. Bis ihr mit einem Mal aufgeht, dass ihr etwas fehlt: jemand, der am Bahnhof auf sie wartet. Nochmals glaubt sie den Mann zu sehen, was sie wieder zu sich kommen lässt. Es geschieht nicht viel in Sylvie Neeman Romascanos Roman «Nichts ist geschehen» – und was geschieht: Ist es tatsächlich passiert? Zum Beispiel die Geschichte, die der Mann erzählt. Er habe von einem Fremden einen Brief erhalten, einen Abschiedsbrief, den er der Adressatin persönlich vorbei bringen wolle. Während ihrer Zugfahrt taucht die Ich-Erzählerin in einen flüchtigen, taumelnden Gedankenstrom ein, in dem sie sich selbst genauestens beobachtet, schwankend zwischen «man», «sie» und «ich». in melancholischer Stimmung fühlt sie sich selber fremd. Erst die Begegnung mit Francesco bringt sie zur Ruhe. In schwebend leichter, beweglicher und präziser Sprache erzählt Sylvie Neeman Romascano von dieser Reise hin und wieder zurück.

(Beat Mazenauer)

Übersetzt von: Claudia Steinitz

Originaltitel: Rien n'est arrivé

Rotpunktverlag, Zürich 2009

ISBN: 978-3-85869-412-6

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