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Carl Albert Loosli

Die Schattmattbauern

«Es dämmerte in seinem Unterbewusstsein die Ahnung auf, das Recht sein nicht allein biegsam und schmiegsam, sondern je nach Zeit, Ort und Gelegenheit wandelbar, es bedeute nicht eine Richtschnur des menschlichen Gewissens, sondern lediglich eine übereingekommene gesellschaftliche Verteidigungsmassregel zur Wahrung früherer, von der Gesellschaft oder von Einzelnen mit Erfolg verwirklichter gewaltsamer Eroberungen.»

Nicht Friedrich Glauser sondern Carl Albert Loosli hat den ersten Schweizer Kriminalroman geschrieben, nachdem er sich schon 1909 mit einer Sherlock-Holmes-Parodie in diesem Genre versucht hat. Looslis Krimi «Die Schattmattbauern» spielt im Jahr 1893 im bäuerlichen Milieu im Unteremmental und schildert den Mord am Bauern auf dem Schattmatt-Hof, Res Rösti, einem alten Geizhals, der für seine Bösartigkeit und Hinterlist weit herum gemieden wird. Der Tat verdächtigt und in Untersuchungshaft genommen wird sein Schwiegersohn Fritz Grädel, der seinen Schwiegervater in der Öffentlichkeit wiederholt verflucht und mit dem Tod bedroht hat. Grädel ist unschuldig und wird freigesprochen, zerbricht aber an der Untersuchungshaft und an seinem angeschlagenen Ruf.
In seinem Roman vermittelt Loosli ein sozialkritisches Gesellschaftsbild einer bäuerlichen Kultur vor dem Ersten Weltkrieg. Der Autor lotet darin die Abgründe menschlicher Bösartigkeit aus und beschreibt psychologisch einleuchtend die zwischenmenschlichen Mechanismen im fiktiven Dorf Habligen im Unteremmental. Es ist weniger die Kriminalhandlung, die im Vordergrund steht, als vielmehr die Schilderung der gesellschaftlichen Prozesse in der Dorfgemeinschaft und im Justizvollzug, die den Autor interessieren und die er akribisch und äusserst kritisch aufzeigt. Eine allemal lohnende Neulektüre!

Loosli schrieb den Roman 1925/26, erstmals publiziert wurde er als Fortsetzungsroman im Schweizerischen Beobachter, 1929/30.

(Rudolf Probst)

Schweizerischer Beobachter, Zürich 1928

ISBN: 978-3-85869-442-3

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