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Grisù

«La cipolla può guardare dentro di sé senza paura. Io invece un po’ di paura ce l’ho, troppe cose mi sfuggono, se ne vanno per la loro strada».

Anwälte und Psychologen versuchen flüchtige Motivationen zu ergründen: sie bilden sich aus, bleich, und verschwinden wie Kindheitserinnerungen und Angstträume, die gedämpft aus dem draussen gefallenen Schnee auftauchen und aus der Feuchtigkeit, die im Inneren des Gefängnisses regiert, in dem Samuel eingesperrt ist, während er auf seinen Prozess wartet. Er hat sieben Brände gelegt und weiss offenbar selbst nicht genau warum. Die Reflexionen des Protagonisten werden immer wieder von Briefen unterbrochen, die ihn von draussen erreichen. Geschrieben hat sie Carlo, der in einem der Brände alles verloren hat: sein Haus und mit ihm die Erinnerungen an ein Leben, die Verbindungen zu seiner Frau Donatella – an einem Krebs verstorben, der sie völlig aufgezehrt hat – und seinem Sohn Piero, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Auf den rauchenden Trümmern erwacht schliesslich ein neues Leben, während ein anderes seinen Sinn einbüsst. In seinem Erstling lotet Pierre Lepori, der auch als Dichter Anerkennung erfahren hat, Themen aus, die ihm am Herzen liegen (und die wir in seinem nächsten, 2011 erschienenen Roman Sessualità wiederfinden): Die Suche nach dem Selbst, der sexuellen Identität, Leere, Einsamkeit, der zwischen Warten und Suchen oszillierenden Selbstbetrachtung eines Mannes, der auf die Vergangenheit blickt, im Versuch, die Zukunft zu verstehen und anzugehen.

(Sandra Clerc, übers. von Christoph Roeber)

Übersetzung des Titels: Grubengas

Casagrande, Bellinzona 2006

ISBN: 978-88-7713-480-6

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