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Giovanni Bonalumi

Die Geiseln

«– Dio – continuò – di tanto in tanto sceglie tra i suoi fedeli un’anima, e la colloca sopra le altre. T’ho seguito passo per passo fin dal giorno che m’è stata affidata la parrocchia. Credo che faresti bene a entrare in Seminario».

Emilio ist ein kleiner Junge und wie alle kleinen Jungen verbringt er seine Tage unbeschwert. Plötzlich aber stirbt sein Papa und auf den Vorschlag des Pfarrers hin wird der Junge ins Priesterseminar geschickt, um dort die Schule fortzusetzen. Für Emilio bedeutet dies, ein neues Leben anzufangen: die Kleinstadt, in der er aufgewachsen ist, die Freunde, die Familie muss er verlassen und sich aufs Erwachsenwerden vorbereiten. Im Seminar tut Emilio alles, um ein guter Schüler zu sein, er ist fleissig und strengt sich an, und doch kommen ihm mit den Jahren Zweifel, ob dies seine wirkliche Berufung ist. «Die Geiseln» ist ein Bildungsroman – oder besser: ein Roman über eine verfehlte Bildung; er erzählt in höflichem Ton und mit grosser Diskretion von einer persönlichen Krise, aber auch, im allgemeinen, von einem spartanischen Bildungsverständnis. Das Thema mag (und vor allem mochte) vielleicht verpönt erscheinen, doch ist zu betonen, dass Bonalumi über eine leise und aufrichtige Art zu erzählen verfügt, so weit wie nur möglich fernab von jeglichen Skandalabsichten.
Das über weite Strecken autobiografische Erstlingswerk hat 1954 den Premio Veillon gewonnen und wurde im selben Jahr bei Vallecchi in Florenz veröffentlicht. Es ist kürzlich ins Französische und ins Deutsche übersetzt worden, als Beweis dafür, dass es auch über die vielen Jahre hinweg nichts von seinem Grundcharakter eingebüsst hat, nämlich: eine unschuldige und äusserst menschliche Erzählung zu sein.

(Matteo Ferrari, übersetzt von Christoph Roeber)

Übersetzt von: Barbara Sauser

Originaltitel: Gli ostaggi

Huber, Frauenfeld 2009

ISBN: 978-3-7193-1544-3

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