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Adolf Muschg

Der rote Ritter

«Auch wenn die Welt nicht zu retten ist - natürlichist sie nicht zu retten! - muss es doch Einen und Etwas geben, in dem sie herrlich erscheint ohne Mass und Grund, eingrandioser Zweck für sich allein. Etwas wie die Fräuleins in den arabischen Liebesgedichten dort drüben, diese Lailen und Suleiken, und wie sie heissen -»

«Parzival» beschreibt auch 800 Jahre, nachdem Wolfram von Eschenbach und Chrétien de Troyes die Geschichte erstmals aufschrieben, exemplarisch den Reifeprozess eines Menschen. Ein ‹tumber Tor› verlässt sein Zuhause, um in der Welt draussen zu sich selbst zu finden. Adolf Muschg hat die alte Geschichte aufgegriffen, um sie in seinem 1000-seitigen Opus magnum «Der rote Ritter» neu zu erzählen. Behandelt das Original den Helden als Rollenträger, der in eine soziale Ordnung hineinwächst, psychologisiert Muschg die Figur nach modernen Massstäben. Dabei wird Parzival zum Repräsentanten einer neuen Wendezeit, deren vergebliches utopisches Hoffen Parallelen zwischen Mittelalter und 1990er Jahren erlauben.
Muschg erzählt nach, reflektiert, schmückt aus, lässt weg und verleiht so seinem Helden eine Persönlichkeit, hinter der der Autor selbst spürbar wird. Im Wechsel von Erzählung und Essay erhält der Roman ein spezielles Gepräge, worin sich stilistische Brillanz mit hoher sprachlicher Anschaulichkeit verbindet. Dabei präsentiert sich dieser neue Parzival ironischer und schillernder, leichter, aber auch ambivalenter als sein Vorbild. Vor allem wird die Idee der Erlösung zeitgemäss aufgelöst. Der heilige Gral verwandelt sich in ein dunkles Loch, von dem der Mensch nichts erwarten darf, was er nicht selbst hineinlegt.

(Beat Mazenauer)

Suhrkamp, Frankfurt / M. 1992

ISBN: 3-518-40513-6

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