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Fabio Pusterla

Le terre emerse

Dass Einaudis prestigereiche Reihe collana bianca Fabio Pusterla eine Anthologie widmet, ist zweifellos und verdientermassen eine Ehre an einen Dichter, der dem kleinen Qualitätsverlag Marcos y Marcos treu geblieben ist. Wenn man heute die Gedichte aus 25 Jahren von «Concessione all’inverno» (1985) bis «Folla sommersa» (2004) liest, mit Blick auf den nächsten Band «Corpo stellare» (aus dem im vorliegenden Buch einige Texte vorabgedruckt wurden), erhält man auch und vor allem die Bestätigung seines literarischen Könnens: Das präzise und zugleich warmherzige, anspruchsvolle und glaubwürdige Schreiben des Tessiner Dichters setzt sich nach und nach durch – mit einem Rhythmus, der wunderbar in der italienischen Tradition steht (und dazu neigt, in den reiferen Werken komplexer zu werden). Die Orte zeugen von grosser Humanität, die Dinge, auch wenn sie trist sind, gefüllt mit Leben, die Gesichter – von jenen der Kinder des Dichters bis zu historischen Figuren – exemplarisch. Das Resultat ist eine im aufklärerischen Sinn moralistische Poesie, getragen von einer lyrischen Prägnanz, die den Tragödien Manzonis ebenbürtig ist. Es ist ein in der lombardischen Poesie verankertes Schaffen, das aber europäisch ist aufgrund des metaphysischen Horizonts, den es eröffnet. Eine Poesie des Widerstands ohne erkennbare Brüche, reif und erfüllt von Besorgnis: «Und plötzlich war ihre Stille unendlich und furchtbar.»

Pierre Lepori, Viceversa Literatur 4, 2010, übersetzt von Barbara Sauser)

Einaudi, Torino 2008

ISBN: 978-88-06-18521-3

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