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Armin Senser

Liebesleben

«Fakt ist: es gibt Religion. / Und es verzweifelt der Mensch schon / so lang er lebt.»

Dem Titel ist zu glauben. In «Liebesleben» klingt gleich lautend ein «liebes Leben» mit. Die doppelte Verschränkung von Liebe und Leben ist auch ein doppelter Schutz gegen das, was beiden droht: die Vergänglichkeit, das Altern, der Tod. Und das Nichts, denn wer weiss, was folgt. Auf die Religion will es der Autor dabei nicht ankommen lassen.
«Liebesleben» ist der fünfte Gedichtband von Armin Senser. Er umfasst 39 Gedichte in alphabetischer Ordnung. Das lyrische Ich hält darin innere Zwiesprache. Es blickt zurück auf eine erste Liebe, setzt Eindrücke aus fernen Ländern ins Bild, nimmt politische Bewegungen in den Blick und denkt über den Menschen in seiner grandiosen Erhabenheit und Lächerlichkeit nach. Auf allen Wegen stösst es immer wieder an jene eine Angst: die vor dem Ende, dem Tod. Nebst der Kunst, der Liebe und dem Tod fallen speziell die zahlreichen politischen Bezüge auf. Die Suche nach eigenen Werten gleicht einer Kippfigur, die in der Unvereinbarkeit trotz allem so etwas wie Heimat bietet. Sensers Gedichte zeichnen sich durch ihren unverwechselbar lakonischen Ton aus. Im Gestus des lyrischen Erzählens vermischen sich darin eloquent Witz mit Ernst. Sie erschliessen sich nie leicht(fertig). Unverwechselbar in ihrer lyrischen Textur halten sie vielmehr die Irritation aus, neigen zuweilen ins frivol Verspielte und bleiben doch konsequent auf einer nachdenklichen Spur, die viele Öffnungen, Weitungen und Durchgänge bereit hält.

(Beat Mazenauer)
Lange Version auf viceversaliteratur.ch

Hanser Verlag, München 2014

ISBN: 978-3-446-24911-0

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