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Frühling der Barbaren

«Aus wissenschaftlicher Perspektive sei ihm jegliche Form des Vorurteils suspekt, doch hier sei es absolut beeindruckend, welche Energie diese Leute darauf verwendeten, jedes Klischee zu erfüllen.»

Der Schweizer Fabrikbesitzer Preising, Mitte fünfzig und etwas lethargisch, ist auf einer Geschäftsreise in einem luxuriösen tunesischen Oasenhotel, dem «Thousand and One Night Resort». Dort wird er Zeuge aufwändiger Hochzeitsvorbereitungen: Reiche junge Engländer aus der Londoner Finanzwelt haben Freunde und Familie für ein großes Fest um sich versammelt und feiern ausschweifend. «Junge Leute in ihren späten Zwanzigern und frühen Dreissigern. Laut und selbstsicher. Schlank und durchtrainiert.»
Und noch während exzessiv gefeiert wird, verdichten sich die Anzeichen einer wirtschaftlichen Krise, die sich zur Katastrophe ausweiten wird. Das britische Pfund stürzt ab, kurz danach ist England bankrott, mit unabsehbaren Folgen, die auch Tunesien nicht unberührt lassen. Am Morgen nach der Luxushochzeit sind schon alle Kreditkarten gesperrt, die eben noch umschwärmten Hotelgäste sind plötzlich Aussätzige geworden: das Frühstück wird ihnen verweigert, ebenso das Duschen. Aus dem edlen Resort wird ein Kampfplatz.
Auch Preising bleibt nicht ungeschoren. Als Schweizer wird er zwar von den schlimmsten Folgen der sich anbahnenden Finanzkrise ausgenommen, aber er muss miterleben, wie dünn die Decke der Zivilisation ist. Er lernt seine ganz eigene Lektion in Globalisierung, denn seine Firma lässt in Tunesien produzieren. «Der Mensch», erklärt Preising in der Klinik, in der er am Ende landet, «der Mensch wird zum Tier, wenn es an sein Erspartes geht.»
(Martin Zingg)
 
Zur Übersetzung empfohlen von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung: www.12swissbooks.ch

Verlag C.H. Beck, München 2012

ISBN: 978-3-406-64694-2

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